Geschichte des Eisstockschiessen

In unserem Kulturgebiet kann man den Beginn sportlicher Betätigung mit der Ritterzeit ansetzen. Der Junker hatte im Laufen, Springen, Steinstoßen, Klettern, Schwimmen, Fechten und Reiten nach und nach seinen Mann zu stellen. Erst wenn er im höfischen Benehmen gewandt und in den körperlichen Übungen erfahren war, wurde er zum Ritter geschlagen. Jagd und sportlicher Schaukampf im Turnier gehörten zum Alltag. Nur ein trainierter, gestählter Körper hatte damals die Chance, die großen Strapazen der Schlacht oder des Kreuzzuges zu überstehen.

Die Zeche für diesen Lebensstil der Ritter hatte das Volk zu bezahlen, vor allem die vom Adel beherrschten Bauern. Diese durften nicht jagen. Zur sportlichen Betätigung hatten sie wohl auch keine überschüssigen Kräfte und sie hatten eine übrige Zeit.

Die Bürger des Mittelalters beschäftigten sich schon eher mit allerlei Kurzweil.

Hans Sachs (1484-1576):
Auch tut der Mensch viel Zeit verlieren mit Müßiggang und Spazieren.
Mit Fechten, Kämpfen, Stechen, Ringen,
Mit Gradigkeit, Laufen und Springen,
Mit Hofiren und Saitenspiel,
Mit Jagen, Schießen zu dem Ziel.

Volkstümliche Kraftproben und Vergnügen, wie Fisch stechen, Ochsenrennen und Fingerhakeln, fanden damals im Volke viele Mitwirkende.

Erst die Renaissance brachte eine Wiederbelebung der Kunst und der sportlich-athletischen Betätigung ganz allgemein. Die holländischen Maler des 17.Jahrhunderts beschäftigten sich ausgiebig mit dem damals üblichen Wintersport. So gibt es auch ein bekanntes Bild von Pieter Breughel (Die Jagd im Schnee) aus dem Jahre 1565. In der Mitte kann man auf zwei gefrorenen Teichen Kinder und Erwachsene beim Eissport erkennen: beim Schlittschuh laufen, beim Eishockeyspiel und beim Eisschießen. Fünf Männer betätigen sich mit Eisstöcken, die den heutigen ganz ähnlich sehen. Körperstellungen, Bewegungen, Gebärden lassen erkennen, das sich auch der Spielablauf seit dem wenig verändert hat.

Urwüchsige körperliche und sportliche Betätigungen haben stets eine sinnvolle Wurzel, die man nur aus dem realen Lebenshintergrund verstehen kann. Körperliche und sportliche Betätigung wurde früher ja nicht zwecklos betrieben!

Beispiel: Der Tanz des Adels, der Höflinge, hatte seinen ganz speziellen Sinn, der nur aus den Lebensgewohnheiten und durch die Absichten des Hoflebens zu verstehen ist. Der Tanz der Gebirgsvölker (z.B.Schuhplattler) entstammt einer anderen Lebenssphäre und ist mit anderen Motiven in Verbindung zu bringen(Auerhahn-Balz).

Welchen Hintergrund, welche Deutung kann man dem sehr alten Eisschießen (Eisstockschießen) geben?

  1. Wahrscheinlich ist das Werfen, Sausen lassen, Spielen mit Gegenständen auf dem Eis schon bei den Jägermenschen der Steinzeit beliebt gewesen. Eventuell kann die runde Eisstockscheibe als Sonnensymbol gedeutet werden. In einer magisch-kultischen Spielhandlung werden die Steinzeitmenschen gleichnishaft die Kraft und den Kampf der Sonne gegen den Winter, gegen die dunkle Zeit nachgeahmt haben.
  2. Im Nordland haben die Menschen ebenso wie in unserer Region schon immer versucht, die gefährliche, starre Zeit des Winters zu überwinden. Mit Schlittschuhen aus Tierknochen, mit Schneeschuhen aus Fellgerüsten mussten sie auf die Jagd gehen. Mit einem Eisspiel versuchten sie wohl, die Einsamkeit und Furcht zu überwinden. Der Kampf ums Dasein wurde in froher Gemeinschaft bei Spiel, Gaudi und Getränk stark gemildert.
  3. Nach alter Überlieferung kam das Eisschießen im 13. Jahrhundert durch Skandinavier in den Alpenraum. Die Jagd war dem einfachen Mann verboten; sie blieb allein dem Herren vorbehalten. Jagen lag aber den Menschen, vor allem in den Notzeiten des Winters, sozusagen im Blut. Die Klöster verstanden es, den Trieb des Jagens in einen Spielbetrieb zu wandeln. Es bedeutete den Mönchen als christliche Aufgabe, von der Sünde und der strafbaren Verlockung der Jagd die armen Tagelöhner, Knechte, Leibeigenen weg zubringen. Eisschießen wurde damals das Wintervergnügen des einfachen, armen Mannes.
    Eisschießen war ein Ersatz für die Jagd. Im Spiel wurden die Jagdinstinkte ausgelebt. Spieltaktik und Begriffe sind eindeutig auf Elemente der Jagd zugeschnitten:

    • das Haserl wurde als "Opfer" von den Jägern der einen Mannschaft eingekreist und dabei die Gegner, die ebenfalls das Haserl erobern wollten, ausgeschaltet.
    • man konnte aber auch das Haserl jagen d.h. das Ziel(Daube) wurde durch einen schnellen Stock voll getroffen und weit davon getrieben.
    • man spricht beim Eisspiel immer von einem Schießen und vom Treffen bzw. vom Daneben-Schießen.
    • es wurde stets beim Spiel gewettet und auf diese Weise Beute gemacht (oder Verlust)
    • diese Form des Eisschießens wird Wildschießen genannt, im Gegensatz zum sog. olympischen Schießen.
    • Anführer des Eisschießens ist der Moar, wie es früher zu klösterlichen Zeiten wohl der Major domus (Aufseher eines Gutes,Pächter) gewesen sein wird, der die Jagd angeführt hat.

  4. Einige Zeit später haben wohl auch Holzknechte zur Entwicklung und Verbreiterung des Eisschießens beigetragen. Sie haben dicke Holzscheiben von den Baumstämmen geschnitten und diese Scheiben in flachen Riesen (vereiste Holztriften) um die Wette gleiten lassen.
    Es ist auch überliefert, dass sich vor allem Brauknechte mit diesem Spiel, das sowohl Kraft als auch Zielgenauigkeit verlangt, besonders beschäftigten. Den hölzernen Zielwürfel haben sie aus Faßdauben geschnitten; seit dem heißt das Ziel Daube.

Entwicklung des Sports